15 Juli 2024 16:00
Die Jugendstil-Kunstbewegung entstand aus der Kunsthandwerksbewegung und blühte in Europa zwischen etwa 1890 und 1910 auf. Da der Jugendstil in verschiedenen Ländern Europas populär wurde, entstanden verschiedene regionale und manchmal sogar lokale Namen für diesen Kunststil.
Frankreich, Belgien und die Niederlande
Der französische Begriff Art Nouveau wird hauptsächlich für künstlerische Ausdrucksformen dieser Bewegung in Frankreich und Belgien verwendet. Der Name Art Nouveau leitet sich von einem Pariser Kunsthändler „Salon de l'Art Nouveau“ ab. In Paris entstand auch der Begriff Style Métro, nach den berühmten französischen U-Bahn-Eingängen im Jugendstil in Paris, entworfen von Hector Guimard (1867-1942). Da Guimard als bedeutendster Vertreter des Jugendstils in Frankreich gilt, entstand auch der Name Style Guimard. In den Niederlanden wurde die Übersetzung „Art Nouveau“ oder „Neue Kunst“ verwendet, um die Ausdrucksformen dieses Stils in den Niederlanden zu beschreiben. Der Begriff Salatöl-Stil wurde auch in den Niederlanden verwendet, nach einem Plakat des Künstlers Jan Toorop (1858-1928) für die Salatölfabrik Delft, auf dem Frauen von Wellenlinien umgeben waren. Manchmal wurde auch spöttisch von Spaghetti- oder Fadennudeln-Art gesprochen. Darüber hinaus wird die Bezeichnung Whiplash Style für den Jugendstil verwendet. Das Schleudertrauma ist ein wiederkehrendes Element in der Jugendstilkunst. In Belgien wird der Horta-Stil auch für den Jugendstil verwendet. Der Name Horta bezieht sich auf den belgischen Architekten Victor Horta (1861–1947), der eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Jugendstils spielte.
Deutschland und Österreich
Der gebräuchlichste Alternativname für Art Nouveau ist Jugendstil. Der Name geht auf die Kunst- und Literaturzeitschrift „Die Jugend“ zurück, die ab 1896 in München erschien. Der Begriff Jugendstil bezieht sich hauptsächlich auf Jugendstilkunst aus Deutschland und Österreich. Art Nouveau und Jugendstil sind zwei Überbegriffe für die Kunstrichtung. In Österreich wurde der Jugendstil durch die Kunstrichtungen Secession und Wiener Werkstätte vertreten. Die Secession, aus der 1903 die Wiener Werkstätte hervorging, war eine Künstlergruppe in Wien zwischen 1897 und 1914, die sich von der Arts-and-Crafts-Bewegung inspirieren ließ. Sie strebten nach einer neuen Formensprache, einer geometrischen Form des Jugendstils. Bekannte Mitglieder waren unter anderem Gustav Klimt, Joseph Hoffmann, Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser. Auch der tschechische Künstler Alphonse Mucha (1860-1939) darf als Vertreter des Jugendstils nicht unerwähnt bleiben.
England und Schottland
Die Arts and Crafts Movement war eine künstlerische soziale Bewegung in England im 19. Jahrhundert unter der Führung von Wiliam Morris (1834–1896), die als Reaktion auf die Massenproduktion die Rückkehr des Handwerks und der Einfachheit des Designs anstrebte. Diese Kunstrichtung hatte großen Einfluss auf den späteren Jugendstil oder Art Nouveau. In England wurde der Jugendstil Style Liberty, Liberty Style oder Modern Style genannt. Der Künstler Aubrey Beardsley (1872-1898) hatte einen persönlichen Jugendstil. Beardsley war einer der umstrittensten Künstler des Jugendstils. Inspiriert von der japanischen Shunga, der japanischen Erotikkunst, schuf Beardsley dunkle, erotische Illustrationen. Der bedeutendste Vertreter der Arts-and-Crafts-Bewegung und damit des Jugendstils in Schottland war Charles Rennie Mackintosh (1868-1928). Zusammen mit drei anderen Künstlern gründete er die Künstlergruppe The Four, auch The Glasgow Four genannt. Mackintoshs Stil, eine lineare und weniger ornamentale Form des Jugendstils, wird auch Glasgow-Stil oder Glasgow-Stil genannt.
Spanien und Italien
Der Begriff Modernismo, auch katalanischer Modernismus genannt, bezieht sich auf den Jugendstil in Spanien. Wichtigster Vertreter war der spanische Architekt Antoni Gaudí (1852–1926). Berühmte Bauwerke von Gaudí sind in Barcelona zu besichtigen. Gaudí strebte danach, die Architektur zu einem organischen Teil der Natur zu machen. Gaudí hat viele Formen aus der Natur übernommen. Diese Philosophie ist charakteristisch für die Kunstrichtung des Jugendstils. Stile Liberty oder Stile Floreale sind die italienischen Bezeichnungen für Jugendstil. Vor allem in Turin und Mailand entstand Jugendstil mit italienischem Touch: Jugendstil gemischt mit Neobarock. Der bekannteste Vertreter des Turiner Jugendstils ist Pietro Fenoglio (1865-1927).
Skandinavien und Osteuropa
Auch in Nordeuropa und Osteuropa hat der Jugendstil seine Spuren hinterlassen. In der lettischen Hauptstadt Riga beispielsweise stammen fast die Hälfte aller Gebäude aus der Zeit des Jugendstils. Darüber hinaus gibt es in Helsinki, Finnland, auch viel Jugendstilarchitektur. Die norwegische Stadt Ålesund ist auch für ihre Architektur im Jugendstil bekannt. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 wurde die Stadt in diesem Stil wieder aufgebaut. In Dänemark ist der Jugendstil als Skønvirke (ästhetisches Werk) bekannt. Dort drückte sich der Stil in einer Mischung aus Jugendstil, Kunsthandwerk und norwegischer Nationalromantik aus.